Invisalign Prof. Dr. Polzar

 

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Implantate haben sich in den letzten zwanzig Jahren als fester Bestandteil der zahnmedizinischen Versorgung etabliert. Während in den 60 Jahren die ersten Implantatversorgungen noch „experimentellen“ Charakter hatten und eine relativ hohe Verlustrate aufwiesen, sind die heutigen Implantatsysteme derart ausgereift und das Procedere zur Implantation nach wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend standardisiert, dass es kaum noch Misserfolge bei der prothetischen Versorgung mit Zahnimplantaten gibt. Durch DVT-Diagnostik (= 3D-Röntgendiagnostik) und ausgereiften Implantatsystemen kommt es heute immer seltener zu Misserfogen bei der Implantologie.

 

Welche Materialien gibt es für Implantate und wie werden Implantate eingesetzt?:

Die meisten Implantate bestehen aus einem Primärteil, welches zunächst in den Knochen einheilen muss (ca. 3-6 Monate) und einem Sekundärteil, welches auf das eingewachsene Primärteil nach Freilegung aufgesetzt wird. Es gibt auch Sofortimplantate, bei denen das Primärteil und das Sekundärteil in einem Zahnarzttermin eingeschraubt wird.

Das Primärteil:

Das Primärteil besteht heute in den allermeisten Fällen aus Titan. Es hat eine angerauhte, strukturierte Oberfläche, die es den Knochenzellen (Osteoplasten) erleichtern soll, an das Titan heranzuwachsen. Mann nennt diese Struktur auch Plasmabeschichtung, weil sie eine amöboide abgerundete Form, ähnlich dem Zellplasma aufweist. Titan wird deshalb gerne verwendet, weil es keine abstoßenden Immunreaktionen der Körperpolizei (Immunsystem) auslöst. Ebenso ist Titan sehr hart und dennoch leicht. Es hält sehr viel Kraft aus, ohne dass das Implantat beim Kauen bricht. Implantate aus Titan verkraften also einen sehr hohen Kaudruck (siehe Brinellhärte) über viele Jahre ohne durch Überlastung oder Materialermüdung zu zerbrechen. Da Titan sehr starr ist und sich kaum biegen lässt (geringes Elastizitätsmodul) kommt es auch nach der Einheilungsphase nicht zu begrenzten Überbelastungen des sich anschließenden Knochengewebes. Der Kaudruck wird gleichmäßig auf das ganze Implantat übertragen. Damit das Implantat gleich im Knochen richtig positioniert werden kann wird es nach einer definierten Vorbohrung in den Knochen hineingeschraubt. Sowohl das Schraubengewinde, als lauch die Plasmabeschichtung erhöhen die Oberfläche des Implantates und erleichtern somit das sichere Einheilen in den Kieferknochen.
Früher wurden für den Frontzahnbereich auch zahnfarbene Silikatkeramikmaterialien verwendet. Diese waren meist glatt und für ihre Proportionen relativ groß und brüchig, so dass sie heute nicht mehr verwendet werden.
Neueste Implantatentwicklungen basieren auf Zirkonkeramikbeschichtungen oder auf Vollkeramik mit Zirkon. Diese sind besonders fest und weisen gerade für den Frontzahnbereich eine hohe ästhetische Integration aus. Der Vorteil zum Titanimplantat ist eben die weiße Farbe des Grundkörpers, im Gegensatz zur hellgrauen Titanfarbe. Der Nachteil liegt in der Keramik selbst, die zwar sehr hart ist, jedoch wegen ihres äußerst geringen Elastizitätsmodules bei Spitzenbelastungen zerbrechen kann. Auch deshalb musss bei der Verwendung von Keramikgrundstoffen eine größere Mindestdicke der Materialschicht gewährleistet werden, was zu größeren Grundkonstruktionen führt. Der Verbund zwischen Metall und Zirkonkeramik erlaubt dann jedoch ein schmaleres Design.

Der Zahnfleischformer (Abutment):

Nach dem Einheilen des Implantates in den Kieferknochen wird die oberste Stelle des Implantates freigelegt und das Sekundärteil aufgeschraubt. Danach wird diese Situation mit einem Platzhalter und Gingivaformer versehen. Er soll das neue Einheilen so beeinflussen, dass für die Suprakonstruktion ein möglichst optimal geformtes Zahnfleisch moduliert wird. Manchmal wird der Gingivaformer auch direkt auf das Primärteil geschraubt.

Das Sekundärteil:

Sind diese beiden Phasen, Osseointegration (Einheilen in den Knochen)  und Gingivamodulation (=Vorbereiten des Zahnfleisches für eine möglichst optimale Anlagerung des Zahnfleisches) beendet, kann mit der definitiven Versorgung, dem Aufsetzen der Krone begonnen werden. Hierfür ist ein erneuter Termin beim Zahnarzt erforderlich. Er entfernt den Gingivaformer und macht einen Silikonabdruck vom Kiefer aus dem das Implantate-Sekundärteil herausragt. Nun wird dieser Abdruck im Zahntechnikerlabor ausgegossen und in einen Artikulator (= Gerät zur Simulierung der Kieferbewegung und des Bisses) mit Gegenkiefermodell montiert. Auf dieser Arbeitsgrundlage stellt der Zahntechniker die eigentliche Implatatkrone her. Das ist der Teil, den mann dann auch letztendlich nur noch vom Implantat sieht.

Die Implantat-Krone:

Nun kommt der krönende Abschluss, im warsten Sinne des Wortes, denn jetzt beim  letzten Zahnarzttermin wird die Implatatkrone  auf das im Kiefer herausragende Implatat-Sekundärteil aufzementiert. Zwischen dem Implantat-Primärteil und der Implantatkrone wird bei vielen Implantattypen ein sogenanntes Ambutment zwischengesetzt. Dies ist eine kleine trennende Materialschicht, zumeist aus Hartkunststoff, zwischen dem in den Knochen eingewachsenen Primärteil und der im Mund sichtbaren Implantat-Zahnkrone. Es dient als Pufferschicht und verhindert, dass der beim kauen entstehende Druck ungebremst auf den am Implantat-Primärteil angewachsenen Knochen trifft. Dies könnte nämlich die Folge haben, dass sich der Knochen wieder zurückbildet (Kochenresorption) und dann sich das Implantat lockert und verloren geht.  Das Implantatambutment ersetz also den Zahnhalteapparat, das Desmodont.

Implantate müssen regelmäßig kontrolliert und gewartet werden!:

 Das oben beschriebene Implantat-Ambutment stellt allerdings auch immer eine Bruchstellengefahr dar und muss bei einigen Implatattypen  nach regelmäßiger Wartung und Inspektion gelegentlich ausgetauscht werden. Ist die Implanatatkrone nur aufgeschraubt, wie bei eineigen Herstellertypen möglich, so ist ein wechsel des Ambutments ein kurzer Routinevorgang. Bei fest einzementierten Implantatkronen kann es unter Umständen auch erforderlich sein dass die Implatatkrone erst heruntergenommen werden muß und dabei zu Bruch geht. Dann ist gegebenenfalls eine neue Implantatkrone erforderlich.


Es gibt auch  Implantate ohne Ambutment. Welches Implantat letztendlich verwendet wird, sollte immer der Zahnarzt zusammen mit dem Patienten entscheiden. Patienten die einen hohen Kaudruck entwickeln oder auch Patienten mit CMD-Symptomen (=Craniomandibuläre Dysfunktionen oder Kiefergelenk-Kau-Beschwerden) oder Knirscher und Bruxer brauchen eher eine schonende Pufferschicht als leptosome Menschentypen. Bei CMD-Patienten empfiehlt es sich sehr, die Implantate-Krone nicht in Okklusion mit dem Gegenkiefer zu setzen. Ebenso bei starken Knirschern. Berührt die Implantatkrone beim Zusammenbeißen den im Gegenkiefer befindlichen Zahn direkt, so kann es zu einer Überlastung des Implantate kommen, was  bei CMD-Patienten zur verstärng ihrer Schmerzen führen kann oder bei richtigen Bruxern eine Lockerung der Implantate oder gar einen Implantatbruch zur Folge haben kann. Letztendlich kann das Ambutment die physiologische Eigenbeweglichkeit eines natürlichen Zahnes nicht ersetzen, da das Immplantate-Primärteil richtig fest mit dem Knochen verwachsen ist und eine Eingenbeweglichkeit (Resilienz) von 0,5 mm bis 1,0 mm nicht simulieren kann.

Ein weiterer wichtiger Grund für Patienten mit Implantate  regelmäßig Kontrolltermine beim Zahnarzt einzuhalten, ergibt sich aus der eigentlichen biologischen Schwachstelle der eingesetzten Implantate:

Implantate, wo ist deren eigentliche Schwachstelle?:

Heute ist die eigentliche Schwachstelle der Implantate nicht mehr im Material oder der Form des Implantates und abgesehen vom Ambutment auch nicht mehr in der Konstruktion des Implantates oder der Art der Implantatkronen, sondern sie liegt an der dem Zahnimplantat umgebenden Zahnfleischgrenze.

Beim natürlichen Zahn heißt diese Grenze marginale Gingiva. Ist diese entzündet, so spricht man von einer Gingivitis und im erweiterten Stadium von einer Parodontitis. Das Wort Parodontose (= chronischer, langsam fortschreitender Knochen-Zahnfleischrückgang) wurde unverständlicherweise von den das Fach der Parodontologie lehrenden Hochschulprofessoren aus der Nomenklatur gestrichen, bzw. durch Parodontitis (= akut entzündliche Zahnhalteapparaterkrankung) ersetzt. Vielleicht wurde vergessen, dass durch Fehlbelastungen, Frühkontakte und Traumata auch eine nicht entzündlichen Zahnfleischerkrankung mit Zahnfleisch und Knochenrückbildung entstehen kann!?

Ist die marginale Gingiva, die das Implantat umfasst entzündet, so sprechen einige Zahnärzte dann von einer “Implantitis”. Dies erscheint verwunderlich bis lustig in der Namensgebung, denn ein Implantat ist ein lebloser Körper und kann sich nicht entzünden. Eine Implantitis gibt es demnach nicht, sondern eine das Implantat umfassende Parodontitis.

Da diese das Implantat umschließende Zahnfleischrand, einer dauerhaft offenen Wunde gleich, eine permanente Verbindung zwischen der mit Bakterien besiedelten Mundhöhle und dem organisch Inneren des Menschen direkt in den Knochen hineinführt, muß diese Region regelmäßig vom Zahnarzt kontrolliert werden. Um auszuschließen, dass sich schon knochenauflösende entzündliche Prozesse in Gang gesetzt haben, sind unter Umständen regelmäßige Röntgenkontrollaufnahmen als Einzelzahnbildaufnahmen, OPT/OPG-Panoramaschichtaufnahmen oder DVT (Digitale Volumen Tomographie) notwendig. Eine Ostitis oder auch Knochenentzündung genannt stellt immer eine mitunter lebensbedrohliche Erkrankung dar und ist immer dringend behandlungsbedürftig. Mit modernen, knochendurchlässigen Antibiotika, wie Doxycyclin oder Clindamyzin ist eine Ostitis sehr effektiv in den Griff zu bekommen. Unbehandelt kann sie zu einer Bakterämie, einer überschwemmung des Blutes mit gefährlichen Bakterien kommen und das Herz schädigen (Endokarditis!) oder multiple Organschädigungen verursachen.

Ein Zahnimplantat ist, wenn richtig gesetzt und bei richtiger Indikation eingepflanzt eine tolle  Sache!  Es ersetzt einen verloren gegangenen Zahn nahezu vollständig, ohne die Nachbarzähne zu beschädigen. Es gibt dem zahnlosen Patienten endlich wieder das Gefühl, richtig beißen zu können. Ein Implantat im Frontzahnbereich gibt so manchem Patienten sein verloren gegangenes Selbstwertgefühl beim Lächeln wieder und die richtige Kaufunktion wird wieder hergestellt. Aber ein Implantat  braucht auch viel Sorgfalt und eine regelmäßige Überwachung durch den Zahnarzt. Deshalb sollten die erforderlichen Kontrolltermine zur Inspektion der Implantate und ihrem umgebenden Knochen und Zahnfleisch immer eingehalten werden.

Um  Implantate an der richtigen Stelle optimal setzten zu können ist es oftmals notwendig, die Zähne mit kieferorthopädischen Geräten, z.B. wie in dem hier beschriebenen Fall mit Invisalign zu richten. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäden und Implantologen ist die beste Voraussetzung für eine optimale Therapie.

 

 

Weiter Informationen zum Thema Implantate finden Sie auf de folgenden Seite mit den hier aufgeführten Themen:

 

          Implantate - Patientenbeispiel
 

            IMPLANTATE-ERFOLGE   
 

 

 

Implantate, Veröffentlichungen
von Prof.Dr. Polzar:

Implantate Invisalign Planung, Fachartikel  

Implantate Invisalign, Poster 1

Implantate externe Links:

Implantate feste Zahnspange, Poster 2

http://de.wikipedia.org/wiki/Implantat

http://www.implantat-wissen.de/

http://www.dgi-ev.de

http://www.implantatforum.org

 

Allgemeine Infos zu Implantaten

Sehr gute Infos zu Zahnimplantaten

Deutsche Zahnärztliche Gesellschaft für Implantologie

Zahnimplantate